Eine der ersten Fragen, die ich mir zu Beginn meines Autorinnen-Daseins gestellt habe, war: Wie schreibe ich so ein Manuskript überhaupt – also technisch gesehen? Nehme ich Word oder brauche ich besondere Software? Sucht man nach Antworten im Internet, findet man zahlreiche Empfehlungen für Schreibprogramme. Und ja, diese haben definitiv ihre Berechtigung. Meiner Meinung nach aber vor allem, wenn du bereits häufiger schreibst und sich diese Investition wirklich lohnt (meistens kosten die Vollfunktionen Geld). Willst du erstmal möglichst günstig starten und gucken, ob du überhaupt dranbleibst, spare dir diese Ausgabe lieber erstmal. Wir geben dir in diesem Beitrag Tipps, wie das Manuskript schreiben mit Word für dich leichter wird.

Die Sache mit der Übersicht

Was mich anfangs abgeschreckt hat, Word für meine Romanidee zu benutzen, war die Sorge, die Übersicht zu verlieren. Wie will ich Widersprüche schnell erkennen, Textpassagen „mal eben“ verschieben oder ganze Kapitel umstrukturieren? …. Puh, da wartet wohl Arbeit auf mich!

Meine Erkenntnis – während ich noch im Schreibprozess bin und mit meinem Roman eher am Anfang stehe: Arbeit ist es so oder so! Du wirst dein Manuskript mehrmals durchgehen, umwerfen und neu schreiben. Egal, ob mit besonderer Software oder Word als Manuskriptdatei.

Unsere 5 Tipps, zum Manuskript schreiben mit Word

1.     Das Restemanuskript: Nichts löschen, nur raus kopieren

Lösche nie etwas, nur weil es dir in diesem einen Augenblick schlecht formuliert vorkommt. Mache eine zweite Datei auf und kopiere die Textpassage dort hinein. Ich habe mir schon so manche alte Formulierung zurückgewünscht und war dankbar, dieses zweite „Restemanuskript“ zu haben. Auch für schnelle Notizen ist dieses zweite Worddokument sinnvoll. So kannst du alle Ideen, die dir beim Manuskript schreiben kommen, notieren – auch wenn sie nicht zur aktuellen Szene passen.

So eine zweite Datei lohnt sich auch, wenn du Lust hast an einer Szene zu schreiben, die erst viel später in der Handlung auftauchen soll. Schreib sie sofort auf – du wirst dich sonst später nicht so gut daran erinnern – und nutze dafür einfach ein zweites Dokument. Ist der Moment gekommen, in dem du sagst “Da gehört diese Szene hin”, kannst du sie einfach hinein kopieren.

2.     Baue von Anfang an (!) ein Inhaltsverzeichnis auf

Die Funktion, ein Inhaltsverzeichnis zu erstellen, wird vor allem von Sachbuchautor:innen viel genutzt. Für Fachbücher ist es einfach eine große Erleichterung, wenn man schon vorher Konzept und Themenreihenfolge stehen hat. Diese sprechen die Autor:innen mit ihrem Verlag ab und können anhand des Inhaltsverzeichnisses die Kapitel abarbeiten.

Doch auch für deinen Roman kann diese Funktion sehr hilfreich sein. Gibst du deinem Manuskript von Anfang an eine Struktur, indem du Überschriften und Hierarchien vergibst, kannst du hinterher die einzelnen Passagen besser finden und auch überprüfen.

Du kannst Hierarchien ganz einfach mit einem Klick vergeben. Der gelbe Pfeil zeigt dir, wo Word diese Funktion hat: Unter “Start” kannst du direkt auswählen, ob dein Absatz “Standard” (also Fließtext) oder eine Überschrift sein soll. Sogar die verschiedenen Hierarchieebenen kannst du sofort vergeben.

Du fragst dich, was ich mit Hierarchieebenen meine?

Links siehst du eine Hierarchie. Der Begriff bezeichnet nicht anderes als die Struktur der Überschriften.

Die erste Hierarchieebene ist in diesem Fall “1. Manuskript schreiben mit Word”. Die zweite Hierarchiebene besteht aus “1.1 Die Sache mit der Übersicht” und “1.2 Unsere ### Tipps, zum Manuskript schreiben mit Word”.

Wie du das Inhaltsverzeichnis siehst

Je länger dein Text wird, umso mehr hilft dir das Inhaltsverzeichnis dabei, eine Struktur zu behalten. Du kannst schneller zwischen Abschnitten springen und hast gleichzeitig einen roten Faden für deine Handlung.
Du kannst deine Gliederung auf zwei Wege sehen:

1. Als Inhaltsverzeichnis

Im Reiter “Referenzen” kannst du unter “Inhaltsverzeichnis” ein Layout auswählen und einfügen. So wird dir das Inhaltsverzeichnis am Anfang deines Dokuments angezeigt.

2. Als Gliederungsansicht

Im Reiter “Ansicht” kannst du “Gliederung” auswählen. Die Gliederung kannst du sehr gut nutzen, um Hierarchien nachträglich zu ändern.

Jetzt denkst du vielleicht: Wieso sollte ich bei einem Roman mit mehr Überschriften als der Kapitelüberschrift arbeiten?

Das machst du natürlich vor allem für dich und während du deine Geschichte noch schreibst. Du kannst dadurch Szenen und Handlungsstränge voneinander trennen und so

  1. schneller wiederfinden und
  2. leichter an eine andere Stelle der Handlung verschieben.

Bist du fertig, löschst du die Unterüberschriften einfach.

3.     Markiere dir Stellen, an denen du etwas einfügen möchtest

Ist es dir in meinen Screenshots schon aufgefallen? Ich markiere mir Platzhalter für Bilder und fehlende Texte.

Als Lektorin mache ich bei Manuskripten in Word:

  • ## für fehlenden Text, z.B. Seitenzahlen oder Literaturquellen (übrigens “Platzhalter” genannt).
  • Hinweise, die nicht gesetzt werden sollen, markiere ich mit Doppelklammern. So weiß der Satzbetrieb, dass dieser Text für ihn gedacht ist und nicht zum Buchinhalt gehört.
    ((Das ist ein Beispiel.))
  • Ich markiere mir solche Passagen zusätzlich gelb, damit ich sie schnell sehe und weiß, wo ich beim Manuskript schreiben in Word noch nachbessern muss. Je auffälliger, umso besser! Du willst doch nicht, dass diese Notizen mitgedruckt werden. 🙂

4.     Alte und neue Änderungen erkennen

Eine Freundin, die an einem Kinderbuch schreibt, hat mich gefragt, wie sie am besten unterschiedliche Manuskriptfassungen erkennen kann. Wenn dir dieser Punkt wichtig ist, musst du mit Versionen arbeiten.

Schritt 1: Speichern unter

Bist du fertig mit deiner aktuellen Schreibeinheit, speichere dein Manuskript unter einem Namen ab, der sprechend ist – dir also eindeutig sagt, welche Version des Manuskriptes es ist.

Schritt 2: Dokumente vergleichen

Du willst nachträglich wissen, was du am Dokument geändert hast? Dann gehe folgenden Weg nach:

Reiter “Überprüfen” – Klicke “Vergleichen” – und nochmals “Vergleichen” – jetzt siehst du den folgenden Kasten:

Lege ein Dokument als „Original“ und ein weiteres Dokument als „überarbeitetes Dokument“ fest. Nachdem du “OK” gedrückt hast, wird dir angezeigt, was sich zwischen Original und Überarbeitung geändert hat.

Ich gebe immer das ältere Dokument als Original an und das neuere Dokument als Überarbeitung. So weiß ich, dass alle markierten Änderungen nachträglich eingefügt wurden – also neuer – sind.

5. Änderungen zusammenführen

Diese Funktion ist vor allem interessant, wenn du dein Manuskript zum ersten Mal an Testleser:innen gibst und nun mehrere Dateien mit Anmerkungen zurück erhältst.

Reiter “Überprüfen” – Klicke “Vergleichen” – und diesmal “Kombinieren”. Jetzt siehst du einen ähnlichen Kasten wie zuvor:

Als Ergebnis erhältst du ein Dokument, dass die Änderungen beider Dokumente enthält. Dieses kannst du speichern und über “kombinieren” mit dem nächsten Dokument zuammenfügen. Solange, bis du alle Rückmeldungen eingearbeitet hat.

Aber Achtung:
Das wird natürlich irgendwann unübersichtlich – vor allem wenn du viele Dokumente kombinieren möchtest -, deshalb empfehle ich eher, die Änderungen nach und nach einzuarbeiten. Es kann jedoch sein, dass unterschiedliche Leser:innen die selbe Stelle angemerkt haben. Bevor du diese mehrmals überarbeitest, kannst du so das Feedback erst sammeln und bekommst einen besseren Überblick über die Kritiken.

Es geht, das Manuskript schreiben mit Word

Ich weiß, dass das vermutlich viel Input ist. Aber ich hoffe, durch die Screenshots und die Erklärung meiner Schritte, kannst du die Tipps gut in der Praxis umsetzen. Schreib doch gerne mal in die Kommentare, wie sie dir beim Schreiben helfen! War Neues für dich dabei? Was möchtest du noch über das Schreiben eines Manuskripts wissen? Schreib uns und wir nehmen deine Fragen auf!

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